Ukraine-Krieg bei vielen älteren Patienten spürbar

Besonders in der Altersmedizin erleben Ärzte und Pflegekräfte in diesen Wochen gehäuft Angstzustände bei ehemaligen „Kriegskindern“

Dr. Martin Glasneck, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin V – Altersmedizin am Knappschaftskrankenhaus Bottrop, beobachtet aktuell in seiner Klinik gehäuft Angstzustände der Senioren, die als „Kriegskinder“ schreckliche Dinge wie Vertreibung, Verschüttung oder Verlust naher Verwandter und materielle Entbehrungen erlebt haben. „Viele Nächte haben die Kinder der Jahrgänge 1930 bis 1945 zum Beispiel angsterfüllt in Bunkern verbracht. Oft haben diese Menschen ihr Leben in den Aufbaujahren gut gemeistert, nicht selten aber um den Preis der Verdrängung der prägenden Kriegserlebnisse, die jetzt wieder aufgewühlt werden“, erläutert der erfahrene Geriater, der auch eine psychotherapeutische Ausbildung hat.
 
„Der aktuelle Ukrainekrieg findet in Europa vor unserer Haustür statt. Die mediale Bilderflut in den Nachrichten zeigt verstörte Menschen und Kinder unseres Kulturkreises. Darstellungen von flüchtenden Frauen und Kindern reaktivieren zudem Fluchterfahrungen der Nachkriegszeit. Außerdem wecken Ländernamen wie Russland oder Polen alte Ängste aus der Kindheit. Hinzu kommen Andeutungen, es könne zu einem erneuten Weltkrieg kommen. Schwere Angstzustände bis hin zu szenischen Reaktivierungen schrecklicher Erlebnisse als „Flash-Backs“ können bei unseren Hochbetagten auftreten, die im hohen Alter zudem geschwächt durch akute körperliche Erkrankungen nicht mehr kompensiert werden können und zum Beispiel eine akute Psychose oder Depression auslösen können“, führt der Chefarzt weiter aus. Er rät den ehemaligen Kriegskindern des zweiten Weltkrieges dringend von übermäßigem Konsum der Kriegsnachrichten ab. Insbesondere die ausführlichen filmischen Darstellungen im Fernsehen und Internet von Kriegsereignissen und Opfern sollten vermieden werden. Zeitungen seien weniger eindringlich.
 
Angehörige und Pflegende der Kriegskindergeneration sollten das Thema nicht forcieren, wohl aber Sachinformationen vermitteln, um Ängste realistisch einzuordnen. Falls der Alterspatient von sich aus den Ukraine-Krieg oder den selbst erlebten Weltkrieg anspräche, solle man vorsichtig nachfragen und erst einmal zuhören.
 
„Wenn die Betroffenen Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln, wie etwa Albträume oder Äußerungen wie „Jetzt fangen die Bomben wieder an zu fallen“, sollte ein Arzt konsultiert werden. Auch im hohen Alter kann eine Psychotherapie in dieser Situation helfen,“ empfiehlt Dr. Glasneck.

Chefarzt Dr. Glasneck 
Dr. Martin Glasneck, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin V - Altersmedizin.
 

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