Eine Fallgeschichte aus der Altersmedizin

Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine fiktive Patientengeschichte, die so oder so ähnlich in der Klinik für Altersmedizin ablaufen kann.


Mitten in der Nacht ist Käthe Koslowski als Notfall in das Knappschaftskrankenhaus Bottrop eingewiesen worden. Als sie etwas schlaftrunken von den Schlaftabletten nachts auf Toilette wollte, ist sie im Dunkeln über eine Teppichkante gestolpert und auf die Hüfte gefallen. Sie kam nicht mehr hoch. Nur mit Mühe konnte sie das Telefon erreichen und um Hilfe rufen. In der Notaufnahme wurde eine Oberschenkelhalsfraktur diagnostiziert. Noch in der gleichen Nacht wurde sie operiert.

Käthe ist 87 Jahre alt. Sie ist seit 8 Jahren verwitwet und lebt alleine in einer einfachen 2-Zimmer-Wohnung im 2. Stockwerk. Sie kommt täglich noch etwas mühselig die Treppen hoch. Ihre einzige Tochter ist vor 10 Jahren aus beruflichen Gründen nach Berlin gezogen. Sie telefonieren regelmäßig, aber das ersetzt den Kontakt nicht wirklich. Käthe mag Leute nicht, die jammern. Sie erzählt auch ihrer Tochter nichts von den Rückenschmerzen, der Einsamkeit und den Schlafstörungen. Ingrid soll sich mal keine Sorgen machen. Die hat genug mit ihren drei Kindern zu tun.

Ihr Sohn Werner ist vor 4 Jahren am Darmkrebs verstorben und seitdem wurde sie zunehmend traurig, zog sich auch aus der katholischen Kirchengemeinde zurück, die sie viele Jahre jeden Sonntag zur Messe besucht hatte. Oft mag sie morgens nicht mehr aufstehen. Appetit hat sie auch nicht mehr und liegt nachts viel wach.

Zum Arzt geht sie nur unregelmäßig, weil der Weg zunehmend beschwerlich ist. Dort ist sie bekannt mit einer Herzschwäche, einem Bluthochdruck und einer Polyarthrose. Sie geht nur hin, wenn die Beine wieder zu sehr anschwellen. Die Schmerzmittel für die Arthrose und den Ischias kauft sie selbst in der Apotheke genau wie die leichten Schlaftabletten, die eigentlich schon lange nicht mehr helfen. Die Augen werden immer schlechter. Zum Glück kommt wenigstens unregelmäßig ein Besuchsdienst von der Kirchengemeinde. Tagsüber sitzt Käthe viel vor dem Fernseher und hat so manches mal gedacht, dass sie eigentlich nicht mehr will. Auf keinen Fall will sie jemandem zur Last fallen oder gar in ein Heim. Da war sie mit ihrem verstorbenen Mann Willy immer einig gewesen, weiß aber jetzt nicht, wie es weiter gehen soll.

Nach der Operation im Krankenhaus wacht sie mit einer neuen Hüftgelenkprothese auf. Als sie zu sich kommt, weiß sie nicht, wo sie ist und hat große Angst. Die Operation war gut verlaufen, aber wie viele betagte Menschen hat sie nach der Narkose einen Verwirrtheitszustand. Mit Schmerzen und einem Katheter in der Blase liegt sie in einem fremden Zimmer mit sehr unvertrauten Geräuschen und fremden Damen in den Nebenbetten. Seit Willy gestorben war, hatte sie immer alleine geschlafen. Aus lauter Verzweifelung fängt sie an zu schreien und versucht aufzustehen, um nach Hause zu kommen.

Zum Glück ist das Pflegepersonal gut geschult darin, mit dieser Situation umzugehen. Die Schwestern beruhigen die Patientin, erklären ihr ruhig die Situation und geben ihr zu essen und zu trinken. Der in solchen Fällen immer hinzugezogene Altersmediziner besucht die Patientin noch am gleichen Tag und im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Unfallchirurgen werden verschiedenen Diagnosen gestellt, die großen Einfluss auf die weitere Genesung der Patientin haben: Es besteht ein Delir, die Schmerzen sind nicht gut eingestellt, zusätzlich förderten andere Medikamente als Nebenwirkung die Verwirrtheit. Bislang war auch die Depression von Käthe nicht erkannt und behandelt worden und über die Zeit war eine zunehmende Mangelernährung eingetreten, die ihren Muskelabbau und die Sturzgefahr beschleunigt. Die selbst gekauften Schmerzmittel verstärkten die Wassereinlagerungen.

In solchen Fällen profitieren Senioren mit sehr vielen Erkrankungen und drohender Pflegebedüftigkeit von der Zusammenarbeit der Chirurgen mit dem geriatrischen Rehateam. Dieses half Frau Koslowski in den folgenden zwei Wochen wieder auf die Beine zu kommen und wieder selbständig in die gewohnte Umgebung nach Hause zu können. Beteiligt waren spezielle Pflegekräfte, die besonders für die Rehabilitation von Alterspatienten ausgebildet sind, Ärzte und ein großes Therapeutenteam, aber auch die Sozialarbeiter, die für die Entlassung Hilfsmittel, Unterstützung sowie die Beantragung eines Pflegegrades organisieren.

Die Probleme wurden systematisch mit Testverfahren und Befragungen (den sogenannten Assessments) erfasst. Der Verlauf wurde, koordiniert durch den Geriater, zwischen allen Beteiligten regelmäßig abgestimmt. Käthe wie auch die inzwischen informierte Tochter wurden selbstverständlich in die Planung zentral eingebunden. Für Käthe war klar, sie wollte keine Schmerzen mehr haben, wieder Hoffnung schöpfen und gehen können und auf jeden Fall wieder nach Hause.

Das Team hat im Verlauf für eine Behandlung der Depression und der Schmerzen gesorgt. Sie erhielt eine Sonderernährung wegen der Mangelsituation, ihre Kraft und ihr Gleichgewicht wurden wieder verbessert. Stolz zeigt sie ihren neuen Rollator, der sie sicher gehen lässt. Sie erhielt auf Antrag den Pflegegrad 2, durch den sie zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst und hauswirtschaftliche Hilfen bekommen kann zur Unterstützung im Alltagsleben.

Rückblickend ist Käthe der Chirurgie und Altersmedizin im Knappschaftskrankenhaus sehr dankbar und freut sich, dass sie wieder gehen kann. Der ehrenamtliche Besuchsdienst der Gemeinde holt sie jetzt regelmäßig zum Gottesdienst ab. „Ihr bietet eine tolle Unterstützung für uns alte Menschen im Krankenhaus!“, sagt sie zum Abschied.


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Dr. med. Martin Glasneck
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